ein Dachzelt sollte es sein..

Florian Dachzelt, Reisebericht, Übernachten 6 Comments

Eine Woche Camping stand auf dem Program. Eine Woche Vater-Kind Urlaub voller Abenteuer und.. Camping eben. Diesmal, so der Plan, würden wir mit dem Auto und einem Dachzelt auf Reisen gehen. Irgendwie schien mir die Idee ein Zelt auf dem Auto zu haben sehr praktisch.

Nach dem ich ein paar Hersteller im Internet abgeklappert hatte landeten wir bei einer Firma aus Italien die schon seit knapp 60 Jahren Dachzelte produziert. Die Webseite des Händlers verspricht unkompliziertes Reisen besonders durch das schnelle auf- und abbauen des Zeltes. Wobei der Aufbau in weniger als einer Minute möglich sei. Eine bequeme Matratze sei auch schon drin. Und für die Reise sei genug Platz unter der Hartschale das Decken und Kissen dort bleiben könnten. So stand es geschrieben.

Nach weiterer Recherche entschied ich mich ein Dachzelt von Autohome zu mieten. Schließlich wollte ich vor einer Kaufentscheidung erst einmal diese Art des Reisens kennenlernen.

Im Internet fand ich den Verleih Kemmler Mietservice in Wernau etwa 30km östlich von Stuttgart der sich auf Dachzelte, Dachboxen, Fahrradträger und mehr spezialisiert hat. Ein kurzer Austausch per Mail klärte die wichtigsten Fragen und ein Termin für die  Montage wurde festgelegt. Am Tag der Übergabe sollte man falls möglich eine zweite Person mitbringen die beim Aufsetzen des Dachzeltes hilft. Die knapp 60 Kilo müssen ja irgendwie bewegt werden.

Das Columbus Medium Variant scheint das gängigste Zelt im  Verleih zu sein da es sich in einer Gewichtsklasse findet die für Autos mit einer Dachlast  bis 60Kg geeignet sind. Die Maße des Dachzeltes von 145cm  * 210cm versprachen genug Platz um gemütlich zu zweit darin schlafen zu können und es konnte problemlos auf meinem 7er Golf verbaut werden. Das Thema Dachlast wurde in anderen Blogs bereits ausgiebig diskutiert. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen zu denen ich auch nichts sagen kann und möchte.

Da ich selbst keinen Dachträger hatte war ich sehr froh darüber das der Verleih mit einer großen Auswahl an neuen und gebrauchten Grundtärgern / Dachträgern aufwarten kann. Für ein paar Euro kann man diese zum Dachzelt dazu mieten.

Nach einer gründlichen Einweisung ging es dann endlich los in Richtung Elsass. Nach 18 Uhr auf einer Autobahn rund um Stuttgart unterwegs zu sein ist allem Anschein nach keine gute Idee. Nachdem wir an mehreren Unfällen vorbei waren und die Zeit davon lief wurde klar, das wir unser Tagesziel nicht mehr erreichen würden. Wir beschlossen daher kurzerhand zwischen Karlsruhe und Rastatt einen Campingplatz anzufahren und dort unsere erste Nacht zu verbringen. Wir fanden den CP Campingpark Bergwiesen welcher Idyllisch auf einer Anhöhe am Waldrand oberhalb eines kleinen Dorfes liegt. Die  Rezeption war zu dieser Zeit nicht besetzt, aber wir fanden schnell einen Ansprechpartner im Campingstüble. Der Empfang war sehr freundlich und unkompliziert. Der Standplatz war eben und mit Stromanschluss für die Kühlbox.

Endlich an der richtigen Stelle geparkt kam der spannende Moment. Nach dem öffnen des einzigen Verschluss hinten an der Dachbox taten die Gasdruckfedern ihre Arbeit und das Zelt öffnete sich quasi von selbst. Schnell noch die Leiter angedockt und fertig. Kein rumfummeln mit Zeltstangen und Zeltstoff, kein einschlagen von Heringen, keine Zeltschnüre… ein Traum. Und irgendwie sieht das Zelt auch auf einem Golf akzeptabel aus. Tatsächlich sieht man solche Zelttypen ja eher auf einem geländetauglichen Fahrzeug mit dicken Reifen und Stahlfelgen. Da wir aber nicht vor hatten die Sahara zu durchqueren war mir dieser Aspekt völlig egal.

Falls es mal stürmisch sein sollte lassen sich die Gasdruckfedern mit einer Stellsschraube fixieren, um ein herunterdrücken der Schale durch Wind zu verhindern. Der Vermieter hat mir jedoch versichert, dass dies aus seiner Erfahrung eigentlich nie nötig sei. Was auch unsere Erfahrung war. Zudem birgt es die Gefahr, dass beim Schließen der Schale ohne vorheriges öffnen der Schrauben die Gasdruckfedern beschädigt werden können.

Trotz Wind und Regen verbrachten wir eine ruhige und relativ entspannte erste Nacht auf dem Autodach.
Der nächste Morgen war grau verhangen und der Nieselregen sorgte für Aufbruchstimmung. Da es auf dem CP noch ruhig und auch keine Frühstücksbrötchen in Aussicht waren machten wir uns zügig ans Zusammenpacken.

Auch beim Abbau wurde ich von dem simplen Handling überrascht. Das ganze Prozedere war dann auch innerhalb von zwei Minuten erledigt. Decken und Kissen flach im Zelt ausbreiten. Die Leiter am Besten in einen Transportsack stecken und mit den Haken nach unten auf die Decken legen. An den Innenseiten des Zeltes befinden sich eine paar Gummiseile die beim Einklappen des Zeltes dafür sorgen das die Zeltwände nach Innen gezogen werden. Ein sanfter Zug an dem gelben Seil lässt das Zelt langsam zusammenklappen, wobei es sinnvoll ist eine der  Seitentüren geöffnet zu lassen, damit die Luft aus dem Zelt gut entweichen kann. Das Seil zum schließen des Zeltes ist lange genug um damit beim Schließen der Schale rechts und links um das Auto zu gehen. Dadurch läßt sich kontrollieren dass nicht versehentlich die Zeltplane zwischen der Schale und dem Gelenk eingeklemmt wird.   Jetzt noch die Schnalle einhängen, schließen… und das wars.

Wir fuhren los in Richtung Strassburg und schon standen wir auf der A5 im Stau. Da meine Tochter bereits nach einer Stunde im Auto sehr unruhig und genervt war, entschloss ich mich unseren eigentlichen Reiseplan kurzerhand zu ändern und einen Campingplatz am Fuße der Vogesen irgendwo an der Weinstrasse anzufahren.

Unser ursprüngliches Ziel waren ein oder zwei Übernachtungen in der Gegend um Besançon / Doubs / Lou um dann weiter in Richtung Auvergne zu fahren. Die Vulkane hatten wir schon öfter auf der Durchreise in Richtung Bordeaux aus der Ferne gesehen. Die Region hatte einen großen Reiz auf uns und wir wollten umbedingt einmal dort ein paar Tage verbringen. Jedoch sollte dies in einem anderen Urlaub geschehen.

Über Strasbourg fuhren wir dann nach Kintzheim zum „La Montagne Des Signes„, dem Affenberg im Elsass. Dort verbrachten wir ein paar Stunden und machten uns auf die Suche nach einem Platz zum Übernachten. Einige Campingplätze waren bereits komplett überfüllt und wir fuhren weiter entlang der Weinstrasse bis zu dem wunderschönen Örtchen Ribeauvillé, wo wir auch problemlos einen Platz auf dem Campingplatz bekamen.  Dieser lag weit genug am Rande des malerischen Städtchens um Nachts Ruhe zu bieten, und nahe genug um in 10 min gemütlich zu Fuß in das Städtchen zu spazieren.

Der Empfang war sehr freundlich und an der Rezeption wurden die Neuankömmlingen auf verschiedensten Sprachen begrüßt. Zu diesem Zeitpunkt waren ein buntes Häufchen verschiedenster Nationalitäten auf dem Platz. Erstaunlich war die hohe Zahl an Nordländern. Es gab sehr viele Dänen, ein paar Schweden und auch Briten auf dem Platz. Ich vermutete das viele auf der Durchreise in den Süden dort übernachteten. Und es gab durchaus eine recht hohe Fluktuation. In dem ein oder anderen Gespräch stellte sich aber heraus das viele Gäste seit Jahren auf diesem Platz im Elsass ihren gesamten Urlaub verbringen. Und so verwunderte es nicht, dass die sympathische Frau an der Rezeption auch, soweit ich das beurteilen kann,  fließend Dänisch sprach.

Das Zelt

Um einen ausreichenden Schutz vor Wind und Wetter zu bieten wurde ein dichter Zeltstoff verbaut. Das solide Material sorgt aber leider nicht nur dafür das Regentropfen draussen bleiben, es hält auch die durch Schwitzen und Atmung entstandene Feuchtigkeit im Zelt. Die Schale (Dach) ist jedoch mit einem intelligenten  System ausgestattet das hilft Feuchtigkeit aufzufangen und ab zu leiten. Dies schien sehr gut zu funktionieren, da wir zu keiner Zeit mit Kondensation an der Innenseite des Zeltes zu tun  hatten.  Wir ließen aber auch auf beiden Seiten des Zeltes beim Schlafen immer einen Spalt an den Türen offen um etwas Luftbewegung zu erhalten.

Tatsächlich scheint dies aber auch ein bisschen der Schwachpunkt des Zeltes zu sein. Bei starkem Regen und Wind ist es nur bedingt möglich eine sinnvolle Belüftung herzustellen. Toll dagegen ist beim Columbus Variant die „Balkontür“. Das Zelt lässt sich auf der Heckseite fast komplett öffnen und bietet so einen tollen Ausblick. Dort lässt sich dann durch verschiedene Lagen das Fenster, das Moskitonetz, Durchsichtige Plane und die Zeltplane durch eine entsprechende Kombination die gewünschte „Variante“ erstellen.

Das Fahrgefühl hat sich trotz der fast knapp 60 Kg auf dem Dach unwesentlich verändert. Die Aerodynamische Form der Schale liegt gut im Wind und Störgeräusche wie pfeifen oder klappern konnten wir zu keiner Zeit feststellen. Die Höchstgeschwindigkeit ist beim fahren mit dem Zelt in Deutschland auf 130 km/h begrenzt, was aber einer angenehmen Reisegeschwindigkeit entspricht.

Tatsächlich empfand ich das Schlafen in einem Dachzelt als eine ganz besondere Erfahrung. Irgendwie fühlt es sich an wie ein Baumhaus. Die Matratze war recht bequem und mit der Hecktüre als Fenster blickt man direkt in die Sterne. Für meine Tochter war es ein toller Spielplatz und wir hatten auch tagsüber viel Spaß einfach dort zu liegen und in die Natur zu schauen. Das Tarp war eine tolle Ergänzung, und mit den zwei Teleskopstangen bot es einen willkommenen Schutz vor der Sonne und vor dem ein oder anderen Regenschauer.

Nach einer Woche mit dem Dachzelt war unsere Begeisterung groß. Diese Art des Reisens entsprach uns in jeder Hinsicht. Für zwei Personen waren die 140cm Breite des Zeltes optimal. Da wir normalerweise zu dritt Reisen begaben wir uns auf die Suche nach einem größeren Zelt. Sicher ist es möglich auf 140cm zu dritt zu schlafen, aber ob das umbedingt sein muß? Für mich eher nicht. Leider ist die 165cm Version, die uns ausreichend Platz bieten würde für meinen Golf zu schwer. Auch würde das Zelt viel zu weit über die Seiten  hinausragen.

„Das Dachzelt“ als Thema ist auch Monate nach der tollen Erfahrung geblieben, und auf einer Camping Messe hatte ich die Möglichkeit diverse Zelthersteller unter die Lupe zu nehmen. Aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes mal.

Bis dahin, auf gutes Reisen..

Floxxi

Warum ein Dachzelt? Die beste Entscheidung…  MEHR

Comments 6

  1. Pingback: Warum ein Dachzelt? Die beste Entscheidung... » Floxxi on Tour

    1. Post
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      1. Ich würde es auch gerne mal mit meinem Golf austesten, habe jedoch aber ein bisschen bedenken wegen der Dichtung, zwischen der man den Dachträger einklemmt… Hast du damit Erfahrung gemacht, ob sich die Dachträger negativ auf die Dichtungen auswirken. (Zwischen Fenster und Dach)
        Und weisst du welche Traglast die Dachträger hatten? (evtl. auch die Marke)

  2. Post
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    Hallo Mats,

    diese Haken des Dachträgers welche in den Türrahmen gespannt werden waren mir auch immer ziemlich suspekt. Tatsächlich hab ich aber nie ein Problem damit gehabt. Zumindest ist kein Wasser reingelaufen. An einem Golf hatte ich die Dachträger das ganze Jahr durch drauf und auch da war es kein Thema.

    Das Dachzelt hatte ich allerdings nur eine Woche fix installiert. Es war ja ein Leihzelt. Das war super. Und auch wenn das Zelt auf dem Golf recht groß aussieht war das Fahrgefühl ok.

    Die Dachträger selbst waren die einfachste Variante von Thule. Also diese Vierkanntstahlrore mit Füßen. Ich hatte da auch meine Zweifel, aber der Verleih hat diese Dachträger mit dem Dachzelt angeboten.
    Allerdings verhält es sich jetzt so das Thule die die Haftung für die Nutzung von Ihren Dachträgern mit Dachzelten ablehnt. Diese Diskussion ist immer wieder aktuell. Daher hab ich mich bei meinen alktuellen Auto für Dachträger von Rhino Rack entschieden. Die haben in der Installationsanleitung explizit einen Abschnitt für Dachzelte. 🙂 Die mögliche Belastung der Thule Träger ist mir leider nicht mehr bekannt.

    Ich hoffe ich konnte dir ein Stückchen helfen. Diese Entscheidungen sind nicht ganz einfach und nicht so gerade aus wie man sich das wünscht.

    Hier findest du noch eine umfangreiche Sammlung zu diesem Thema:
    https://dachzeltnomaden.com/2018/04/10/dachtraeger-dachzelt-checkliste/

    Grüße

    Florian

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